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Varianten von Delphi-Verfahren

Aus dem klassischen Delphi-Verfahren, bei dem die Expert_innenbefragung mithilfe eines postalischen standardisierten Fragebogens erfolgt, haben sich mittlerweile eine Vielzahl von Modifikationen und Varianten entwickelt, die sich hinsichtlich Erhebungssituation, Zielstellung und Erkenntnispotenzial unterscheiden.

Dazu gehören:

  • Policy Delphi: Bei dieser Variante geht es nicht um Konsens, sondern um die Erfassung des Dissens, d.h. um die Breite der Urteile. Auftraggebende sind meist politische Entscheider_innen, die über relevante Expert_innenurteile, notwendige Konventionen und den aktuellen Sach- bzw. Wissensstand informiert sein wollen.
  • Argumentative Delphi: Bei dieser Variante liegt der Fokus nicht auf der Konsensfindung, sondern auf der argumentativen (qualitativen) Begründung der standardisierten Urteile durch Expert_innen.
  • Real-Time Delphi: Die Befragung der Expert_innen erfolgt online und meist rundenlos, d.h. nach Eingabe des eigenen Urteils werden in Echtzeit die aggregierten Gruppenantworten zurückgespielt.
  • Gruppendelphi: Eine mit bis zu 40 Personen interdisziplinär zusammengesetzte Expert_innengruppe nimmt an einem Workshop teil und beantwortet in rotierenden Kleingruppen einen standardisierten Fragebogen. Das Gruppendelphi stellt die einzige Delphi-Modifikation dar, bei der die Anonymität der Befragten zugunsten eines persönlichen Austauschs aufgegeben wird.
  • Quasi-Delphi: Bei dieser Variante werden qualitative Expert_inneninterviews (teilweise auch in mehreren Wellen) durchgeführt und abschließend die Ergebnisse von den Expert_innen standardisiert bewertet.
  • Hybrid-Delphi: Hier werden Delphi-Verfahren mit anderen Methoden der empirischen Forschung kombiniert (z.B. mit Fokusgruppen, Nominalgruppentechnik). Hybrid-Delphis werden manchmal auch Modifizierte Delphis genannt.
  • Delphi-Märkte: Delphi-Märkte fokussieren sich auf die Verbesserung der Vorhersagefähigkeit der Expert_innen. Dazu vereinen sie die Argumentation der Delphi-Methode mit der Informationseffizienz von Prognosemärkten. Ziele sind der Informationsaustausch und die zuverlässige Quantifizierung von Eintrittswahrscheinlichkeiten zu vordefinierten Zukunfts- und Risikoszenarien.



Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 429572724